
Betrifft: 10. Januar 2010
Pressemitteilung
Cabrio-Interessen-Gemeinschaft CIG erinnert an das Produktionsende des Käfer-Cabriolets bei Fa. Karmann in Osnabrück vor 30 Jahren
Das Volkswagenwerk ließ von 1949-1979 das Käfer-Cabriolet bei Fa. Karmann in Osnabrück bauen. Mit 331.847 Einheiten war es das meistgebaute Cabriolet der Welt.
Am Donnerstag, 10. Januar 1980 um 10:28 Uhr lief ultimativ das letzte Käfer-Cabriolet beim Cabrio-Bauer Karmann in Osnabrück vom Band. Das letzte Käfer-Cabrio mit der Fahrgestell-Nummer 1592044140 in der Farbe marsrot steht noch heute in der Autosammlung von Karmann. Die beiden ersten Fahrgestell-Nummerzahlen standen für den Typ15 - wie VW-intern das Cabrio bezeichnet wurde -, die 9 für das Modelljahr 1979. Für 1980 hätte hier eigentlich eine 0 stehen müssen.
Parallel wurde schon das Golf-Cabriolet (Typ A1C) als Nachfolge-Modell auf der Produktionsstraße montiert. Das Produktionsende erzürnte die Käfer-Freunde derart, daß sich sogar eine Initiative „Rettet das Käfer Cabrio“ in Hamburg bildete und mit einem Aufkleber 'Golf-Cabrio, nein danke' ihren Unmut zum Ausdruck brachte.
Der Groll ist mittlerweile verflogen und selbst Käferfahrer werden heute ertappt, wie sie neugierig um das Golf-Cabrio schleichen, das aufgrund seines neuartigen Sicherheitsmerkmals - dem Überrollbügel - und seiner eckigen Form liebevoll 'Erdbeerkörbchen' genannt wird. Strenge Abgasvorschriften und neue Sicherheitsanforderungen der USA als Haupt-Exportland besiegelten endgültig das Aus des Käfer-Cabriolets.
Als im Sommer 1978 die ersten Gerüchte um das Produktionsende bekannt wurden, erlebten die VW-Händler eine wahre Bestell-Flut von Käfer-Cabriolets. Auch Hans-Dieter Seewald, späterer Gründer und Initiator der Cabrio-Interessen-Gemeinschaft CIG, bestellte sich nach Drängen seiner Freundin 'auf der letzten Rille' noch ein brasil-braunes VW 1303 Käfer-Cabriolet beim bekannten Käfer-Tuner Oettinger in Friedrichsdorf (er fährt den braunen Käfer noch heute; der aktuelle Tachostand: 50.450 km).
Die Bestellzahlen waren derart groß, daß man es bei Karmann nicht schaffte, bis zum Jahresende 1979 alle georderten Käfer zu produzieren. Zudem gab es ein Problem durch die Europäische Gemeinschaft, die ab 1980 neue Fahrzeug-Ident-Nummern (statt Fahrgestell-Nummer) vorschrieb. Bei Karmann besann man sich eines Tricks als abzusehen war, dass die Produktion bis in den Januar 1980 dauern würde: Bis zum 31. Dezember 1979 stanzte man in die Chassis die fortlaufenden Fahrgestell-Nummern der bestellten Fahrzeuge ein und versorgte diese mit den KFZ-Papieren (Fahrzeugbrief). Die Endmontage zum fertigen Käfer-Cabrio erfolgte nachträglich in den ersten Januartagen 1980. Hierbei brauchte jetzt keine Rücksicht mehr auf die Einhaltung der numerischen Reihenfolge der bereits mit Fahrgestell-Nummern versehenen Chassis genommen zu werden. Dieses 'Durcheinander' erklärt auch den Umstand, dass es ein schwarzes Käfer-Cabrio mit einer noch höheren Fahrgestell-Nummer als das letztgebaute marsrote Käfer-Cabriolet gibt, das als letztes von der Produktionstraße rollte.
Schon im Herbst nach dem Produktionsende am 20. September 1980 rief Hans-Dieter Seewald zum 1. Käfer-Cabrio-Treffen nach Barsinghausen auf den Nienstädter Paß. Informiert durch kleine Informationszettel, unter den Scheibenwischer gesteckt, folgten 30 Käfer-Cabrio-Besitzer/innen der Einladung.
Bei der Einkehr nach der Rundfahrt wurde die Cabrio-Interessen-Gemeinschaft CIG gegründet, ein Zusammenschluss von Gleichgesinnten zur Erhaltung aller nicht mehr produzierten VW-Cabriolets. Die Teilnehmerzahl wuchs mit jedem Treffen und zählte in 1986 mehr als 600 Käfer-Cabriolets.
Hans-Dieter Seewald setzte mit seiner Cabrio-Interessen-Gemeinschaft CIG von Anfang an auf Nachhaltigkeit. Schon vor dem Produktionsende wurden Überlegungen mit gleichgesinnten Cabriolisten angestellt, wie es möglich sei, diesem unwiederbringlichen Auto allem Unbill und Ersatzteilproblemen zum Trotz ein langes Autoleben zu bescheren. Neben der Gründung der Cabrio-Interessen-Gemeinschaft CIG (1980) und der Cabrio-Teile-Vermittlung CTV (1984) war stets die Motivation zur Erhaltung dieses Autos 'ohne festes Dach über dem Kopf' ein besonderes Anliegen, da es stets einem Investieren in ein Fass ohne Boden gleicht. Der Ansporn, mit einem ganz besonderen Cabriolet immer wieder bei Treffen und im heutigen Straßenbild präsent zu sein, ist der Antrieb für dieses Bestreben. Im Jubiläumsjahr 2010 am 18. September treffen sich die Käfer-Cabriolets wie vor 30 Jahren: auf dem Nienstedter Pass in Barsinghausen (OT Egestorf) findet die familiäre Jubiläumsveranstaltung statt.
Hans-Dieter Seewald, für den die Erhaltung des Käfer-Cabriolets zum Lebenswerk geworden ist, freut sich schon jetzt, dass aus den vielen Käfer-Familien die nächste Generation erwächst, die das Werk zur Erhaltung des Käfer-Cabriolets fortführen wird.
Fotos:
Triple White Produktion (Sonderserie für US-Markt) von Karmann Design-Abteilung
Käfer- und Golf-Cabrio von CIG
Hans-Dieter Seewald
Dipl.-Designer
Cabrio-Interessen-Gemeinschaft CIG (VW)
Otto-Weddigen-Str. 11
46145 Oberhausen